Mittendrin statt nur dabei:
Furioses Neujahrskonzert im neuen Credo

Selten kamen sich Publikum und Orchester akustisch so nahe wie im voll besetzten Saal des Credo in Ebersbach. Die Elbphilharmonie des unteren Filstals, wie Dirigent Edmund Holzwarth den Konzertsaal scherzhaft bezeichnete, zeigte schon beim ersten Stück ihre grandiose Akustik. Die Fanfare des belgischen Orgelkomponisten Nicolas-Jacques Lemmens wurde sowohl in ihren wuchtigen als auch den filigranen Passagen hervorragend wiedergegeben.

Vom Tango zum Ballett

Zwei Stücke des argentinischen Bandoneonspielers Astor Piazzolla zeigten die Bandbreite seines kompositorischen Schaffens: zuerst Tanti anni prima – auf Deutsch soviel wie vor vielen Jahren –, ein lyrisches Werk mit einigen Tangofragmenten. Gleich im Anschluss daran der Gegensatz: Revirado, was man mit durchgeknallt oder ausgeflippt übersetzen kann. Ein feuriger Tango Nuevo mit Swing-Elementen, stilgetreu vorgetragen vom Ebersbacher Orchester.

Paul Desmonds bekannter Jazz-Standard Take Five mit seinem 5/4-Takt als rhythmischem Merkmal ist eine Herausforderung für jedes Orchester. Ralf Schwarzien hat die eingängige Melodie auch zu Shuffle und Salsa verarbeitet, wobei bei den Stil- und Taktwechseln die Schlagwerker ihr Können zeigten.

Ballettmusik von Aram Khatschaturian bildete mit zwei ganz unterschiedlichen Sätzen aus der Spartacus-Suite Nr. 2 den Kontrast zu Tango und Jazz. Einerseits die Musik zum Pas de deux von Spartacus und seiner Frau Phrygia (Adagio), das die weich fließenden Bewegungen verdeutlichte, andererseits der Tanz der Piraten, kurz und temporeich.

Orchester auf der Bühne
Letzte Konzentration

Zwei gegensätzliche Originalkompositionen

Ein Tetraeder ist ein hoch symmetrischer Körper aus vier gleichseitigen Dreiecken. Der Waiblinger Hans-Günther Kölz hat bei seinem gleichnamigen Werk diesen Körper quasi umrundet und die Musik in vier Abschnitte geteilt: Aufbruch, Auflösung, Ankunft und Rückkehr, alle in moderner Tonsprache. Diese Umrundung wird durch die motivische Entwicklung dargestellt, unterschiedliche Lichteinfälle variieren das musikalische Geschehen, was durch verschiedene Taktarten unterstützt wird.

La Marioneta dagegen ist eine Komposition von Friedrich Haag aus dem Jahr 1954 mit ganz anderem Charakter. Bei dieser Tanzsuite finden sich Melodien der spanischen Folklore, die durch rhapsodische Abschnitte verbunden werden. Die verschiedenen Klangbilder und Tempiwechsel wurden von Dirigent und Musikern gekonnt umgesetzt. Ein leider viel zu selten gespieltes Werk.

Johann Strauß und das Besondere seiner Musik

Wiener Charme und unbändige Lebensfreude – die Kompositionen des Walzerkönigs Johann Strauß können auch im 21. Jahrhundert noch verzaubern, wie der Kaiserwalzer mit seinen eingängigen Melodien eindrucksvoll bewies.

In der Ouvertüre zur Operette Der Zigeunerbaron verknüpft der Komponist mit Witz und Charme unterschiedliche Stimmungen, indem er mal melancholische, mal energische Zigeunermusik den wienerisch angehauchten Polka- und Walzerklängen gegenüberstellt. Für das Orchester eine technische und musikalische Herausforderung: Blitzschnell zwischen den Musikstilen zu wechseln und sowohl den österreichischen Schmäh als auch die Sehnsucht der Zigeuner überzeugend zum Klingen bringen. Besonders die Electronien mit ihrem Klangfarbenreichtum boten hier brilliante Leistungen.

Der Frage, was die Musik von Strauß ausmache, ging Dirigent Edmund Holzwarth ganz praktisch nach: er extrahierte charakteristische Merkmale und steuerte als Schmankerl ein eigenes Werk bei, eine Zugabe mit dem passenden Titel: Servus Johann!. Ganz nach Wiener Vorbild beendete der Radetzky-Marsch nach überwältigendem Beifall das Programm.

Das passende Drumherum

Mit Begrüßungssekt, verschiedenen Getränken und leckeren Häppchen sorgte das bewährte Catering-Team vor dem Konzert und in der Pause für die gelungene Abrundung des Abends.

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